Insgesamt waren 80 Teilnehmer dabei, sowohl Walnussbauern als auch Forschende und Berater. Deutschland ist der größte Walnuss-Importeur in der EU, gleichzeitig werden weniger als ein Prozent der Walnüsse für den deutschen Markt auch in Deutschland produziert. Es ist also viel Platz nach oben. Dafür braucht es aber auch große Erzeuger, die Walnüsse aus Deutschland in größerem Maßstab anbauen.
Ein Beispiel dafür zeigten Peter Schwalbach und Shari Huwer auf. Der Obstbauer Schwalbach hat 65 Hektar des seit vier Jahrhunderten in Familienbesitz befindlichen Betriebs in Rheinhessen mit circa 25.000 Walnussbäumen bepflanzt. Er kann auf relativ gute Böden zurückgreifen. Zum Einsatz kommt Ernte- und Verarbeitungstechnik im Gegenwert von jeweils sechsstelligen Euro-Beträgen. Das zeigt, in welche Dimensionen der Walnussanbau in Deutschland bereits vereinzelt vorstößt.
Karls hat noch große Pläne für den Walnuss-Anbau bei Magdeburg
Ähnliche Ziele verfolgt Robert Dahl („Karls“), der in Loburg bei Magdeburg auf einer Fläche von mehr als 50 Hektar in den Jahren zwischen 2014 und 2018 mehr als 4500 Walnussbäume angebaut hat. Bei der Hochstamm-Anlage spielt der Nachhaltigkeitsfaktor eine wesentliche Rolle, wie Ulf Drzymala, der die Walnuss-Fläche im Auftrag von Robert Dahl betreut, bei der Präsentation erklärte. Wenn die Produktion und Verarbeitung in größeren Umfang startet, ist perspektivisch ein Walnuss-Erlebnis-Center geplant. Dahl ist mit seinen Erlebnishöfen dafür bekannt, ambitioniert und unkonventionell vorzugehen. Man darf also gespannt sein.
Die meisten Walnussbauern arbeiten allerdings auf einem wesentlich kleineren Niveau. Sie vermarkten direkt oder mit lokalen Partnern. Dazu setzen sie oft auch auf die eigene Verarbeitung und Veredelung im Manufaktur-Maßstab, um die Wertschöpfungskette und die Ertragsmöglichkeiten für sich voll auszuschöpfen.
Einen wesentlich größeren Ansatz verfolgt „That’s Nuts“ von Obstbauer Schwalbach. Schwalbach setzt auf eine langfristige und breit aufgestellte Marketing-Strategie. Gleichzeitig achtet der erfahrene Obstbauer mit einem ganz anderen Blickwinkel als die kleineren Erzeuger und Verarbeiter auf die betriebswirtschaftlichen Eckpunkte vom Einkauf der Pflanzen über die Pflege und die nicht stattfindende Bewässerung. Eben dieser Verzicht als Bewässerung wird als ein Pluspunkt bei den Nachhaltigkeitsfaktoren im Marketing aufgeführt.
Wo man nicht auf Bewässerung verzichten kann, wie beispielsweise auf den mageren und trockenen Flächen bei Werben an der Elbe, werden andere betriebswirtschaftliche Ansätze gesucht. Lennart Trösken hat mit seiner Familie an der Elbe eine Walnussfläche angelegt. Er ist aber auch Robotik-Forscher an der TU München. Und er will Landwirtschaftsroboter für Walnusserzeuger entwickeln.
Wie kann Walnuss aus Deutschland mehr Markt-Anteil erreichen?
Den Preiskampf mit den großen Anbietern können deutsche Walnussproduzenten nicht gewinnen. Also wie kann den Kunden auf den regionalen Märkten der höhere Preis im Vergleich zur Importware aus den USA, der Türkei oder anderen Ländern erklärt werden? Das Thema kam auch in der weiteren Diskussion auf. „Es muss ein Narrativ für die regional angebaute Walnuss entwickelt werden”, sagte Tina Zurek (Ökomarkt Hamburg). Für die Akzeptanz der Walnuss sei auch die neue Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BzfE) hilfreich. Im Unterrichtsmaterial sind ungesalzene Nüsse in die zweithöchste Ebene aufgerückt.
Das Treffen rund um die Walnus wurde wie schon 2025 gemeinsam von der IG Nuss und dem vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderten Projekt NuPiWi (Heimische Erzeugung von Nüssen und Pilzen als gefragte und gesunde Eiweißquellen durch Wissenstransfer fördern) der Universität Kassel organisiert. Thorsten Michaelis aus der NuPiWi-Projektleitung freute sich über die überwiegend positive Resonanz. Die Messlatte für künftige Veranstaltungen liege nun sehr hoch. „Es gab wohl für alle Teilnehmenden Aha-Effekte“, sagt Michaelis und verweist auf den Austausch und die zahlreichen anschließenden Diskussionen.
Vivian Böllersen, die im Vorstand der IG Nuss die Frucht-Sektion vertritt, präsentierte am ersten Tagungstag zwei von ihr übernommene Flächen mit fast 40 Jahre alten Walnussbäumen in Westeregeln bei Magdeburg präsentiert, die von Walter Böhner angelegt worden waren. Die Skalierung des Anbaus auf große Flächen wie in Loburg und bei Obstbauer Schwalbach sei notwendig, um bei den maßgeblichen Stellen Gehör für die weitere Unterstützung und Förderung zu finden, äußerte sich Vivian Böllersen zum Anliegen der Tagung. „Wir müssen größer werden und mehr Fachwissen vermitteln“, griff sie das Fazit eines Teilnehmers des Treffens auf. Dieser hatte auf das Netzwerk von Streuobstwiesen-Bewirtschaftern und Forschern verwiesen, das schon erheblich weiter sei. Die Walnuss muss als Wirtschaftsbaum aus ihrer Nische zurück in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.
Ein kurze Zusammenfassung der Walnuss Tagung 2026
Es war ein vielfältiges Programm für das Frühjahrstreffen 2026 vorbereitet worden. Die Chancen und Risiken der Hot-Callus-Veredlung bei Juglans erläuterte Winston Beck von der Humboldt-Universität (HU) Berlin. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass die Verdedelung von Walnüssen immer noch zur hohen Schule der Veredler gehört.
Peter Schwalbach kam mit seiner stark betriebswirtschaftlichen Sicht auf den Walnussanbau auch die Rolle der Herausforderers zu. Denn bei der stark ergebnisorientierten Herangehensweise Schwalbachs ließ manch Idealisten der Wiederbelebungsphase des Walnussanbaus sprichwörtlich die Nuss im Hals steckenbleiben.
Der Marketing- und Kalkulationsansatz von Shari Huwer sorgte ebenfalls für Diskussionen. Wie die Anregungen von Tina Zurek (Ökomarkt Hamburg) zu Erfahrungen aus dem Ökolandbau sowie die von Tobias Hoppe (Bioland) und Ribana Bergmann (ReSoLa) vorgetragenen Anregungen aus der AG Walnuss-Wertschöpfungskette und Ökonomie umgesetzt werden können, wird sich zeigen. Die Informationen aus den Walnussgruppen (Süddeutschland, Mitte und Nordostdeutschland) sowie dem Walnuss-Netzwerk Sachsen gaben einen Überblick über die regionalen Aktivitäten.
Und man darf gespannt sein, wie der von Lennart Trösken vorgestellte Robotik-Ansatz seinen Weg in die Umsetzung findet. An der Automatisierung führt beim Walnussanbau im großen Stil kein Weg vorbei. Das hatte bereits Peter Schwalbach deutlich gemacht, der Künstliche Intelligenz bei Knacken der Nüsse einsetzt.
Das nächste Frühjahrstreffen wird 2027 voraussichtlich wieder um den 20. März herum stattfinden.
Links
thatsnuts.de
https://www.ble-medienservice.de/die-ernaehrungspyramide-im-unterricht.html
