IG Nuss
Interessengemeinschaft Nuss
www.IG-Nuss.de
Bericht zur Exkursion der IG Nuss vom 17. bis 20. Oktober 2018 in die Westschweiz Hybridnussbaum-Allee in Satigny 18.10.2018 Inhalt Einleitung Exkursionspunkte 1. Nussbaumpflanzungen im Wald der Burgergemeinde in 4422 Arisdorf/BL 2. Plantage zur Nussproduktion in 3293 Dotzigen/BE 3. Hybridnussbaum-Allee, 150-jährig, in 1242 Satigny/GE 4. Speierling-Allee, 130-jährig in 1298 Céligny/GE 5. Hybridnussbäume MJ209 Pflanzung 1994, Parzelle Nr. 28, in 1435 Essert-Pittet/VD 6. Schwarznuss, mit Linde, Kirsche, Esche. Pflanzung 1992, Parzelle Nr. 27 in 1434 Ependes/VD 7. Hybridnussbaum MJ209 Pflanzung 1994, Parzelle Nr. 26, La Poudrière, in 1405 Pomy/VD 8. Wildbirnen, gepflanzt 2003 Parzelle, rte. Ursins, in 1405 Pomy/VD 9 Schaugarten der Walnussveredlung in 1746 Prez-vers-Noréaz FR 10. Wald-Nussbaumparzelle in Léchelles 11. Waldnussbaumparzelle in Grolley 12. Agroforsterie in Lully 13. Walnussbäume im Forstbetrieb Leberberg, 2545 Selzach SO Einleitung Um es vorwegzunehmen, die 40 Teilnehmer waren begeistert von der viertägigen Exkursion bei strahlendem Herbstwetter. Zum Programm Es wurden 13 Exkursionspunkte in der Reihenfolge besucht wie sie im Inhaltsverzeichnis oben aufgeführt sind. Verglichen mit dem Programm in der Einladung unterscheidet sich das durchgeführte Programm nur im Exkursionspunkt 3. Anstelle der vorgesehenen Besichtigung des Arboretums in Aubonne wurde die Speierling-Allee in Céligny besucht, weil sich die einmalige Gelegenheit dazu bot. Die 13 Exkursionspunkte teilen sich wie folgt auf: 7 Waldparzellen mit Nussbäumen, 1 Waldparzelle mit Birnen, 1 Hybridnussbaum-Allee, 1 Speierling-Allee, 1 Agroforesterieparzelle, 1 Schaugarten zu Walnussveredlung und 1 Nussproduktionsanlage. Die Exkursion wurde zum grössten Teil von Hans-Sepp Walker vorbereitet und geleitet. Er besorgte die Übersetzung von Französisch auf Deutsch vor Ort, wo es notwendig war. Zum Bericht Der vorliegende Bericht soll die Erinnerungen an die Exkursion aufleben lassen. Er wird auf der Homepage der IG Nuss publiziert. Damit erfahren auch Mitglieder, die nicht teilgenommen haben, sowie weitere Interessierte etwas von der Exkursion. Bei mehreren Kapiteln gibt es Hinweise auf Sachthemen oder Abhandlungen, auf die mit Links verwiesen wird und zu denen man direkt springen kann. Waldbauliche Regeln, die während der Exkursion in Erinnerung gerufen wurden, und die im Buch von J. Becquez oder in Publikationen von A. Ehring nachgelesen werden können, werden im Bericht nur erwähnt, wenn es einen besonderen Anlass dazu gibt. Über den Inhalt der Mitgliederversammlung vom Mittwochabend und über den Kurzvortrag von Andreas Meier-Dinkel zum Stand des Hybridnuss-Klonversuches wird auf dem üblichen Informationsweg der IG Nuss berichtet werden. Die Namen und Adressen der Gastgeber sind bei den entsprechenden Exkursionspunkten aufgeführt. Exkursionspunkte 1. Nussbaumpflanzungen im Wald der Burgergemeinde Gastgeber: Urs Schaub, Kännelmattstrasse 38, 4422 Arisdorf/BL Besichtigt wurden junge Nussbaumpflanzungen in einem sanft ansteigenden Juratälchen auf ca. 500 müM. Kalkunterlage. Boden-pH wahrscheinlich zwischen 6 und 8. Gelände zwischen 2 und 30 % Neigung. 4 Teilflächen, insgesamt 1,2 ha. Mittlere Jahrestemperatur: 9°C. Niederschlag: 900 mm /J. Buche 55 %, Eiche+ Fichte 10 % Esche 7 %. 04/05 Kahlschlag. Frühjahr 05 Nüsse gesteckt, Eichhörnchen gefüttert. Frühjahr 06 Dachi gepflanzt, 37 2er Gruppen, rechts Dachi links Nüsse von Wiesennussbäumen. Verband 10 x 10m. 08 Fläche runtergemäht. Aug. 18 vorletzte Wertästung. Juni 18 letzte Wertästung. Astfreie Stammlänge 6 bis 8 m. Begleitvegetation mit konkurrenzstarkem Ahorn. Mittlerer aktueller BHD: 15,2 cm. Das Resultat ist gut. Einige Nüsse unter den Bäumen.Ehring erinnert an die Regel, dass Nussbäume im Boden mit pH-Werten unter 4 nicht mehr wachsen. Bildmitte: 12-jähriger Obfeldenabkömmling, geästet und freigestellt. 17.10.2018 Dank an die Burgergemeinde, die uns ein feines Mittagessen offeriert hat. Dank auch dem Servierpersonal. Teilnehmer geniessen Mittagsverpflegung. 17.10.201 2. Plantage zur Nussproduktion in 3293 Dotzigen/BE Gastgeber: Urs Schaller, Bahnhofstrasse 12, 3293 Dotzigen Der Gastgeber hat uns in spannender Weise erzählt, wie er auf die Nussproduktion gekommen ist, wie er die Bodenverhältnisse und die meteorologischen Voraussetzungen beurteilte, wie er die Sortenwahl getroffen hat, welche finanziellen Überlegungen er gemacht hat, welche besonderen Rahmenbedingungen er im Grundwasserschutzgebiet zu beachten hat, mit welchen Schwierigkeiten er mit der Verwaltung um finanzielle Unterstützung zu kämpfen hat, und wie zusammen mit 30 Produzenten die Anschaffung von Maschinen beraten und ausgehandelt wird und wie Vermarktungswege gesucht werden. Die Investitionen sind beträchtlich, wirtschaftliche Überlegungen sehr wichtig. Aus all den Informationen werden nur ein paar wenige hier wiedergegeben. Bei der Übernahme des Hofes von seinem Vater im Jahre 2007 entschied sich Urs und seine Frau zur Diversifikation zum Kürbisanbau und zu Nussproduktion. Der Boden ist flach, von guter Qualität in der Aareebene, ca 350 müM., Grundwasser 1,5 m unter dem Boden, im Bereich eines Trinkwasserpumpwerkes mit entsprechenden Auflagen bezüglich Pestizid- und Düngereinsatz und Entschädigungen. Keine Spätfrostschäden Ende April 2017 wahrscheinlich unter dem Einfluss des Bielersees. Jahrestemperatur ca. 9°C. Insgesamt sehr gute Produktionsverhältnisse für Schweizerverhältnisse. Ziel sind 2 t trockene Nüsse / J und ha. Urs Schaller erklärt seine Plantage. 17.10.2018 Sortenwahl Es sollen Sorten sein, die möglichst wenig mit Pestiziden behandelt werden müssen. Die Sortenwahl fiel auf Fernor als Hauptsorte. Die Sorte ist spät austreibend und blühend, die robusteste Sorte der neuen Generation der französischen Züchtungen, etwas lateral tragend und deshalb sind gute Flächenerträge zu erwarten; gute Kernqualität und guter prozentualer Kernanteil. Die ersten Erträge bestätigen die Annahmen in Dotzigen. Die zweite Sorte ist die auch in der Schweiz bewährte Sorte Franquette, spät, terminal tragend, mässige aber regelmässige Flächenerträge, gleichmässige Grösse der Nüsse, da alle an den Enden der Äste viel Licht bekommen. Feines Kernaroma, guter prozentualer Kernanteil (45 %). Nebensorte ist Lara, die sehr produktiv ist, grosse Flächenerträge bringt, weil lateral tagend, in Frankreich ursprünglich als Frischnuss gezüchtet. Krankheitsanfällig, muss intensiv geschnitten, gedüngt und gespritzt werden, um Vollertrag von 4 bis 5 T /J und ha zu erreichen. Die geforderten Produktionsbedingungen sind im Grundwasserschutzgebiet schwierig zu erreichen. Wenn die Krone nicht jährlich und stark geschnitten und ausgelichtet wird, bleiben die Nüsse im Innern der Krone klein. Heckenschnitttechniken, wie sie in Frankreich, Kalifornien und Australien zum Einsatz kommen, müssen sich auf längere Sicht und mit dem Alter der Bäume erst noch bewähren. Die deutschen Sorten fielen vor allem wegen den deutlich höheren Anschaffungskosten der Pflanzen aus dem Rennen. In Grenoble konnten die 2 bis 3 m hohen Bäume für 17 € abgeholt werden. Im Jahr 2007 erste Probepflanzung mit Pflanzbohrer in 3 Linie im Verband 10 x 10 m. 2008 Pflanzung weiterer 250 Bäume. Die Bepflanzung einer ha mit veredelten Nussbäumen kostete 3000.-Fr-, Bäume, Löcher, Pfahl und Schutz inbegriffen. 2017 erste kleine Ernte; 150 kg Nusskerne für 25 Fr.-/kg verkauft. 2018 ca. 600 kg trockene Nüsse geerntet. Die meisten der trockenen Nüsse im Hofladen für 9.-Fr/kg verkauft. Die Düngung ist ein ebenso wichtiges wie schwieriges Kapitel. Die Grundwasserschutzzone und die ökologischen Auflagen beschränken die N-Düngen in der CH im Wesentlichen auf 60 kg N/ha und /J als Summe aller N-Gaben. Schaller verwendet zum grössten Teil Kompost als Dünger, bringt diesen auf die Baumscheibe aus und beschränkt die Gaben auf maximal 150 kg N. Der Erhalt von Subventionen ist noch komplizierter und muss immer wieder neu ausgehandelt werden. Mit der Einführung der Subventionierung von Nussbaumhochstämmen im Jahre 2008 setzte in der CH ein richtiger Nussbaumboom ein. Nach wenigen Jahren erfuhr der Boom aus verschiedenen Gründen einen starken Dämpfer. Es werden ökologische Leistungen wie Hochstamm, Hecken, Dünger- und Pestizideinschränkungen usw. honoriert. Es ist schwierig für einen Aussenstehenden einen Überblick zu bekommen. Vieles muss erkämpft werden. Und Urs Schaller ist einer, der weiterhin am Karren reisst. Wann ist eine Nuss trocken? Für den Praktiker ist eine Nuss trocken, wenn das Scheidehäutchen bricht und nicht mehr gummig ist. A. Schott hat das demonstriert. Erklärungen von Anton Schott. 17.10.2018 Für den Physiker, wenn Gewichtskonstanz erreicht ist, d.h. wenn beim Trockenen das Gewicht nicht weiter abnimmt. Damit ist Gleichgewicht zwischen der Luftfeuchtigkeit und der Nussfeuchtigkeit erreicht. Das entspricht bei uns im Winter drinnen etwa 10 bis 12 % Wassergehalt der Nuss. Für den Gesetzgeber: Die EU-Richtlinie über Walnüsse in Schalen verlangt für Nüsse erster Klasse einen Wassergehalt unter 12 %. Warum wird eine Nuss ranzig ? Erklärung von A. Schott: Wenn die Nuss zu schnell getrocknet wird, bricht der Feuchtigkeits- transport zwischen Kern und Schale ab. Wissenschaftlich wird das Ranzigwerden hauptsächlich durch die Oxydation vor allem der ungesättigten Fettsäuren, von denen es viele im Nussöl hat, verursacht. Wenn man Nüsse bei über 28 °C trocknet, werden sie sehr schnell ranzig und damit wertlos. Eine starke, gut schliessende Schale verlängert die Haltbarkeit. 3. Hybridnussbaum-Allee, 150-jährig, in 1242 Satigny/GE Gastgeberin: Frau Syivie van Berchem, Chateau des Bois, Chemin de la Combe-d’Onex10 1242 Satigny/GE Der Eingang zur Allee befindet sich ca. 600 m im O/SO vom Chateau entfernt, Route de la Garenne. Die Allee besteht aus 17 ca. 150-jährigen, imposanten Hybridnussbäumen und je einem nachgepflanzten Schwarznussbaum und einem nachgepflanzten Walnussbaum. Die Präsidenten geben Richtung vor, links die Gastgeberin in blau. 18.10.2018 Hansjörg Lüthy erzählt, wie die Allee im Jahre 2000 gefunden wurde, über die Vermessung im Jahre 2002 zusammen mit A. Ehring, über die Veredlung durch A. Schott (dem Schlossbesitzer wurde eine Veredlung geschenkt, zwei Veredlungen stehen in Aesch), über die Probenahmen zu genetischen Identifikation (über deren Resultate wurde nicht berichtet) und über die erneute Messung der BHD vor der Exkursion. Lüthy übergibt den Teilnehmern das Dokument mit den Informationen. Es ist im Anhang Satigny zu finden. Über die Herkunft der Hybridnussbäume, die übrigens von den Einheimischen als noyers d’Amérique bezeichnet werden, ist nichts bekannt. Im 19. Jahrhundert wurden Bäume aus aller Welt vor allem von den Franzosen und Engländer nach Europa eingeführt. Es ist mir nicht bekannt, aus welchen Elternteilen die Hybriden von Satigny bestehen. Die Schlossherrin erlaubte den Teilnehmern, Hybridnüsse aufzulesen. Die Teilnehmer 18.10.2018 Unter den mächtigen Bäumen wurde Hansjörg Lüthy für seine Verdienste zum ersten Ehrenmitglied der IG Nuss ernannt. Die Laudatio hielt Andreas Ehring. Die Schlossherrin zeigte uns zum Schluss Ihr Schloss und die wunderschöne, riesige Atlaszeder. All das war so spannend, dass wir uns schon bei diesem ersten Exkursionspunkt des Tages eine zweistündige Verspätung eingehandelt hatten. Aber es hat sich gelohnt. 4. Speierling-Allee, 130-jährig in 1298 Céligny/GE Gastgeber: Herr Jean Widmer. Belle Ferme, 1298 Céligny An Stelle des Arboretums in Aubonne wurde die 130-jährigen Speierling-Allee in Céligny besucht, da sich die einmalige Gelegenheit dazu bot. Bei strahlendem Herbstwetter begrüssten uns Jean Widmer und seine rüstige Mutter in der Speierling Allee. Die Bäume strahlen in allen Farben von grün über rot bis goldgelb. Die Früchte zeigen alle Reifestadien von grün hart, sauer über gelb bis braun, teig und zuckersüss. Einer der grössten Speierlinge 18.10.2018 Jean Widmer erzählt, dass die Speierlinge vor 150 Jahren von einem Italiener namens Luca ? aus Süditalien importiert und hier gepflanzt worden war. Der Zuckergehalt der ausgereiften Früchte ist doppelt so hoch wie bei Trauben und erreicht 180 Öchslegrade. Daraus produziert Jean Widmer einen ausgezeichneten aromatischen Speierling-Branntwein. Vater Jean Widmer und seine Frau haben vor mehreren Jahrzehnten bei unserem Mitglied Claus Lässing in Schleswig-Holstein Speierlingbäumchen aus Céligny gepflanzt. Bis jetzt hat Claus noch von keiner Speierling-Schwemme in Schleswig- Holstein berichtet. Arnold Storrer aus Birmensdorf hat 1996 in den Beiträgen 44/1995-96 der Schweizerischen Dendrologischen Gesellschaft eine ausgezeichnete Monographie mit dem Titel «Die Speierling- Allee von Céligny» publiziert. Der Präsident der Schweizerischen Dendrologischen Gesellschaft hat uns erlaubt, diese Monographie in diesem Schlussbericht wiederzugeben. Anhang Speierling-Allee Céligny 5. Hybridnussbäume MJ209 Pflanzung 1994, Parzelle Nr. 28, in 1435 Essert-Pittet/VD Zum Grossprojekt Die vier Waldbilder (drei Nussbauparzellen und eine kleine Birnenparzelle), die am Nachmittag des 18. Oktober besucht wurden, gehören zum Waldnussbaum-Grossprojekt des 8. Forst-kreises des Kanton Waadt in der Region von Chavornay. Hier ein paar kurze Informationen dazu. Nussbaumholz wurde seit Jahrhunderten in der Schweiz vor allem durch Einzelbäume von Bauernhöfen geliefert. Das Angebot hat aber seit 1900 stark abgenommen. Um die Versorgung mit dem wertvollen Holz sicherzustellen und die Marktlücke zu schliessen, hat Herr Pierre Cherbuin, der Oberförster des 8. Forstkreises des Kanton Waadt, um 1990 herum ein Grossprojekt zur Produktion von Nussbaumholz im Wald gestartet. Ziel war es, 150 Kubikmeter einwandfreies Nussbaumholz pro Jahr im Wald schlagen zu können. Dazu war vorgesehen, 2 ha Wald pro Jahr während 50 Jahren zu bepflanzen und in der Folge zu unterhalten. Die Pflanzungen begannen 1993. Es wurden vor allem die französischen Hybriden MJ209, auch Garavelhybriden genannt, gepflanzt, da diese in genügender Menge verfügbar waren. Jacques Becquez hat das Projekt anfänglich beraten. Christian Favre hat im Jahre 2009 im Auftrag des 8. Forstkreises einen ersten Bericht zum Projekt verfasst und 2016 einen zweiten Folgebericht. Diese Berichte beschreiben sehr detailliert den Stand des Projektes. Der Marschplan ist zum grossen Teil eingehalten. 25 Jahre nach dem Beginn des Projektes sind 50 ha Wald mit Nussbäumen bepflanzt und zwar in Parzellen, die im Mittel etwa 1 ha gross sind. Die vier besuchten Parzellen gehören dazu. Förster Michel Felix hat die Beschreibung mehrerer Parzellen des Projektes auf die Plattform der Interessengemeinschaft, www.cpp-apw Anbau und Pflege von Werthölzern gestellt. Die Links zu den Beschreibungen der besuchten Waldbilder sind in diesem Bericht bei den entsprechenden Kapiteln angegeben. Zur Parzelle Nr. 28 Unter https://www.cpp-apw.com/anbau-und-pflege-von-werthoelzern-apw/netzwerk/objekte- 3#Obj_028 auf das Objekt 28 gehen. Dort finden Sie Informationen zur Parzelle Nr. 28 wie den Namen des Objektes den Standort die verantwortliche Person Kontakt Besonderheiten Kommentar Ein PDF-Dokument: Beschreibung Objekt Nr. 028 Z-Bäume Durchforstungsbäume entnommen 2012 Verbleibende Durchforstungsbäume verschiedene Fotos. 25-jährige MJ209 Hybridnussbäume 18.0.2019 Philippe Graf, Oberförster des 8. Forstkreises, begrüsst die IG Nuss-Leute, gibt einen kurzen Überblick über den Forstkreis und das Waldnussbaum-Grossprojekt. Die Hälfte der geplanten Flächen sind bepflanzt, der zweite Teil wird plangemäss fortgesetzt. Die Unterhaltsarbeiten laufen. Michel Mercier, der verantwortliche Förster, stellt die Fläche vor. Bei der letzten Durchforstung im Jahre 2012 wiesen die Z-Bäume einen mittleren BHD von 29 cm auf. Jetzt dürften es etwa 35 cm sein. Der dickste Baum hat nach 25 Jahren einen BHD von 53 cm. Von den vielen Fragen werden hier im Bericht nur drei herausgegriffen: Durchforsten nach 25 Jahren Eine Gruppe von etwa einem Dutzend IG Nuss Leuten gab Ihre Meinung ab zur Frage « Wieviel Prozent der Bäume sollte bei der nächsten Durchforstung herausgenommen werden?» o Ein Teil der Befragten meinte, dass die Hälfte der vorhandenen Bäume sofort herausgenommen werden sollte. o Ein anderer Teil meinte, man sollte sofort 30 % der Bäume wegnehmen und in zwei Jahren weitere 30%. Der verantwortliche Förster, Michel Mercier, teilte die Meinung, dass die Anzahl Bäume in Kürze stark reduziert werden müsse. Verkernung der Stämme Nur einer von den ca. zwanzig 19-jährigen, im Jahre 2012 gefällten Stämmen war etwa zur Hälfte des Durchmessers verkernt. Astfreie Stammlänge Ich hatte zum Thema das Dokument «Astfreie Stammlänge von Nussbäumen» vorbereitet. Es konnte wegen Zeitmangels aber nicht besprochen werden. Das Dokument kann über den Anhang Astfreie Stammlänge von Nussbäume aufgerufen werden. 6. Schwarznuss, mit Linde, Kirsche, Esche. Pflanzung 1992, Parzelle Nr. 27 in 1434 Ependes/VD, Wenn Sie den Link https://www.cpp-apw.com/anbau-und-pflege-von-werthoelzern- apw/netzwerk/objekte-3#Obj_028 öffnen und auf das Objekt 27 gehen, finden Sie die Informationen über die Parzelle 27. 26-jährige Plantage Schwarznuss und andere 18.10.2018 Philippe Graf präsentiert die Fläche. Vorkultur war eine Pappelplantage auf fruchtbarstem Boden. Der Holzzuwachs ist entsprechend gross. Nach Kahlschlag, Pflanzung 1992 mit Bohrer. Hauptdiskussionspunkt ist der Umgang mit der Begleitvegetation. Diese wächst zurzeit teilweise in die Nussbaumkronen. Der Nutzen der Begleitvegetation ist unbestritten. Über die Frage, wie und wann die Begleitvegetation reduziert respektive entfernt werden sollte, wird heftig diskutiert. Solche Diskussionen bieten die einmalige Gelegenheit zum gegenseitigen, nützlichen Wissen- und Erfahrungsaustausch. Das Ziel, in 60 Jahren BHD von 60 cm zu erreichen, dürfte hier problemlos erreicht oder sogar deutlich übertroffen werden. 30 Schwarznussbäume hatten nach 20 Jahren bereits BHD von 34 cm! Alle Teilnehmer sind sich einig, dass es sich um eine hervorragende Fläche handelt und gratulieren den Förstern zum Erfolg. 7. Hybridnussbaum MJ209 Pflanzung 1994, Parzelle Nr. 26, La Poudrière, in 1405 Pomy/VD Wenn Sie den Link https://www.cpp-apw.com/anbau-und-pflege-von-werthoelzern- apw/netzwerk/objekte-3#Obj_028 öffnen und auf das Objekt 26 gehen, finden Sie die Informationen über die Parzelle 26. Michel Felix erklärt. 18.10.2018 Michel Felix stellt die schönste der bis jetzt angepflanzten 50 Parzellen vor. Alle Teilnehmer verfolgen seine Ausführungen mit grösster Aufmerksamkeit. Die Christbäume, die zusammen mit den Hybridnussbäumen gepflanzt worden waren, sind in den ersten Jahren geerntet worden. Das Gelände weist eine leichte Neigung auf. Oberhalb der Nussparzelle befindet sich Ackerland. Es ist wahrscheinlich, dass Dünger vom Acker auf die Nussparzelle abgeschwemmt wird. Diese «natürliche» Düngung erklärt wahrscheinlich das gute Wachstum der Bäume. Alle 24-jährigen Bäume auf der Parzelle sind sehr homogen, haben 6 bis 8 m lange astfreie Stämme und BHD zwischen 25 und 30 cm. Das Ziel, in 60 Jahren nach der Pflanzung 50 Bäume mit 60 cm BHD und 6 bis 8 m lange astfreien Stämme ernten zu können, sollte auch hier problemlos erreicht werden können. Die schöne 24-jährige Plantage von MJ209-Hybidnussbäumen. Vegetation schon praktisch abgeschlossen. 18.10.2018 Auf die Frage, warum das Unterholz sauber weggemacht wurde, antwortete Felix mit einem Augenzwinkern, dass dies nur für die hohen Gäste aus Deutschland gemacht wurde. Im Gegensatz zu Frankreich darf in der Schweiz kein Dünger im Wald ausgebracht werden. Wind- oder Sturm- schäden wie sie offenbar in Norddeutschland vorkommen, sind bis jetzt keine aufgetreten. Es ist auch kein Hallimaschbefall festgestellt worden. Das Interesse der kantonalen und eidgenössischen Forststellen für Nussbäume im Wald hat in den letzten Jahren zugenommen einerseits wegen der Artenvielfalt und andererseits wegen der Problematik der Klima-Erwärmung. 8. Wildbirnen, gepflanzt 2003 Parzelle, rte. Ursins, in 1405 Pomy/VD Die Wildbirnen habe sehr gerade Stämme und sind ca. 7 m hoch. Die natürliche Begleitvegetation wurde vor der Exkursion mit einem Traktor geschreddert. Die Kleinparzelle ist ein Beispiel, wie man verschiedene Baumarten in den Wald einbringen kann im Sinne der Diversifikation. Der Besuch der Birnen-Parzelle bildete den Abschluss der Exkursion in Chavornay und Umgebung. Hans Jochen Meyer Ravenstein lädt die Förster des 8. Forstkreises nach Deutschland ein als Gegenbesuch. Michel Felix zeigt sich interessiert am Angebot. 9. Schaugarten der Walnussveredlung in 1746 Prez-vers-Noréaz FR Gastgeber: Hans-Sepp Walker, rte. de Fribourg 90, 1746 Prez-vers-Noréaz, www.walwal.ch Hauptthema war die Besichtigung des Schaugartens mit 13 ausgewählten Beispielen von Veredlungen mit verschiedenen Techniken, verschiedenen Edelsorten und verschiedenen Veredlungshöhen. Vor und nach der Besichtigung habe ich Informationen gegeben zu verschiedenen Themen. 9.1. Wie und warum ich zum Veredeln von Walnüssen gekommen bin 1978 Kauf des Hauses mit Umschwung und dem damals 50-jährigen Walnussbaum, später als WalPrez getauft. WalPrez ist eine frühe Sorte mit schönen Nüssen (100 Punkte nach meinem Punktesystem) mit Zweitblüte nach Spätfrost, im Mittel 70 kg Nüsse pro Jahr. Weil uns die Nüsse passten, wollten wir Nachkommen vom Baum haben. Deshalb 1980 WalPrez-Nüsse gesät und davon 3 Sämlinge gezogen. Nach der Aussage von meinem Onkel Kurt, Gärtnermeister, «fallen Nüsse gut aus den Samen «. Das heisst in der Gärtnersprache, dass die Nachkommen die gleichen Eigenschaften haben wie die Mutter, was natürlich betreffend die Nüsse überhaupt nicht zutrifft. Keiner der 3 Sämlinge hatte so schöne Nüsse wie die Mutter. 1995 bis 1997 erfolglose Versuche mit Vermehrung durch Stecklinge, Absenker, Abmoosen mit Hormonen und ohne. Ab 2000 Abklärungen zur Veredlung von Nussbäumen. Nach Aussagen der Forschungsanstalten in der Schweiz geht die Walnussveredlung in der Schweiz insbesondere im Freiland nicht. In der Schweiz machten nur die landwirtschaftliche Schule in Lullier und Hr Labhart wenig Indoor-Veredlungen. Die Veredlungen für das schweizerische Nussinventar wurden zur Hauptsache von Anton Schott in Deutschland ausgeführt. Aber warum sollte die Veredlung in der Schweiz nicht gehen, wenn sie in Grenoble seit hundert Jahren erfolgreich praktiziert worden ist und immer noch praktiziert wird? Am 7. Mai 2008 zeigte mir mein Lehrmeister Alain Dupard in Albenc die Couronne-Veredlung im Freiland. Er erreicht 95 % Erfolg. Am 8. Mai 2008 habe ich 20 Veredlungen in meinem Garten und 20 im Wald gemacht. Erfolg 50 %. Darauf habe ich meine Resultate auf meiner Homepage publiziert. Ab 2010 habe ich begonnen, Kurse zu organisieren mit Teilnehmern aus Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich und der Schweiz. Film gemacht zur Stubenveredlung im Deutschen Gartenfernsehen. Dann Kurse in F, D und A. 2018 aus gesundheitlichen Gründen nur noch zwei Kurse in A, bei mir nur noch Kurse mit wenigen Teilnehmern auf Anfrage. Mit eigenen Veredlungen kann ich alle interessanten, insbesondere regionale Sorten selber veredeln, die ich nicht auf dem Markt kaufen kann, kann auch alle möglichen Versuche machen, wie z. B die Verspätung von frühen interessanten Sorten, Umpfropfen, Mehrfachveredlungen, Veredeln von geeigneten Pollenspendern auf bestehende Bäume, Veredlung von Hybriden usw. 9.2. Vorstellung meines 70 seitigen Kursdokumentes zur Walnussveredlung In diesem Dokument fasse ich meine Erfahrungen mit der Walnussveredlung zusammen. Das Dokument enthält drei Kapitel; a) die besonderen Ansprüche der Walnussveredlung (Wärme und Juglon), b) Edelreiser, Unterlagen, Techniken und c) die Bewertung von Walnusssorten. Das Dokument wird den Kursteilnehmern jeweils abgegeben. IGNuss-Mitglieder haben die Möglichkeit, das Dokument in elektronischer Form gegen ein Entgelt von 30.-€ zu bestellen. Sie bekommen dann von mir ein Passwort, um es zu öffnen. 9.3. Zeichnungen von 9 verschiedenen Veredlungs-Techniken Kopulation, Kopulation mit Gegenzunge, Chip budding, Cadillac, Omega, in den Spalt, Geissfuss, Couronne und Plattenokulation auf treibendes und auf schlafendes Auge. Jede Technik hat ihre Eigenheit. Die Eigenheiten wurden sehr kurz kommentiert. Hans-Sepp Walker erklärt die verschiedenen Veredlungstechniken. 19.10.2018 9.4. Veredlungsmaterial in Veredlungskorb 9.5 Blütenbiologie der Walnuss Das Dokument, das ich für die IGNuss-Exkursion vorbereitet habe, ist im Anhang Blütenbiologie der Walnuss zu finden. Es wurde eine kurze Zusammenfassung vorgestellt. 9.6. Rundgang durch den Schaugarten An 13 Posten wurden während einer Stunde Veredlungen mit verschiedenen Techniken, verschiedenen Sorten, verschiedene Veredlungshöhen sowie Einfach- und Mehrfach-veredlungen vorgestellt. An jedem Baum war ein Infoblatt aufgehängt. Bei den Sorten, die schon Nüsse gegeben haben, waren auch Nüsse der Ernte 2018 in einem Gitter aufgehängt. Beispiel: Omega-Veredlung G120 von Schott 19.10.2018 Bestaunt wurden die grössten Nüsse der Sorte KelMör. Die Sorte macht nur 60 Punkte nach meinem Bewertungssystem und ist nur eine Dekorationsnuss. Der Kernanteil beträgt nur 15 %. Es wurden sehr viele Fragen gestellt. Das Thema der Veredlung interessierte offenbar auch die Holzleute. 9.7. Sortenbewertung, Sortenausstellung, biologische Bekämpfung der Walnussfruchtfliege Diese Themen wurden zum Abschluss bei Kaffee und Kuchen kurz gestreift. Kaffee-Pause, Sortenausstellung, Nusstrocknung.19.10.2018 10. Wald-Nussbaumparzelle in Léchelles Gastgeber: Hans-Sepp Walker, rte de Fribourg 90, 1746 Prez-vers-Noréaz, www.walwal.ch Beschrieb der Flächen Zwischen 1983 und 1993 sechs kleine Waldparzellen von insgesamt 2 ha gekauft mit 50 % Laubholz (Buche, Esche, Eiche, Kirschbaum) und 50 % Nadelholz (Fichte, viele davon faul und ein Teil mit Borkenkäfer befallen und etwas Tannen), heute praktisch kein Nadelholz mehr. Seit 1983 pro Jahr ca. 15 m3 Brennholz (vor allem Laubholz) für den Eigenverbrauch geschlagen. Fichte und Tannen, die verkäuflich waren, ab Stock verkauft. Die Bodenbeschaffenheit kleinflächig wechselnd; Moräne, Sandstein, Lehmstellen, unterschiedliche Wasserdurchlässigkeit und wechselnde Humusschichten. Gefälle variabel 5 bis 30 %. 650 müM, 800 mm Niederschlag. Nussbaumpflanzungen: Zwischen 1990 und 2015 auf ca. 1 1/2 ha schätzungsweise 500 bis 600 Nussbäumen truppweise oder auf kleinen Flächen gepflanzt, sowie 300 bis 400 Butternüsse gesät. Bei den gepflanzten Nussbäumen gibt es verschiedene Gattungen, Arten, Sorten und Herkünfte mehr oder weniger bunt gemischt. Fege-Schutz mit Gitter oder Flatterbändern. Die Begleitvegetation besteht aus natürlicher Naturverjüngung. Sie wird allmählich entfernt, wo notwendig. Pflegemassnahmen werden dynamisch und ohne fixen Zeitplan durchgeführt. Die meisten gepflanzten Bäume mit Ausnahme der gepflanzten Walnüsse und der gesäten Butternüsse sind mit Al-etiketten individuell beschriftet. Zu Beginn habe ich alle Fehler gemacht, die ein Anfänger bei Nussbäumen im Wald macht: kaum Auswahl der Pflanzen viel zu eng gepflanzt, zu wenig Licht geschaffen Stämme viel zu hoch geastet. Seit 1995 Mitglied der IG Nuss und des französischen Vereins « arbres précieux en forêt». Da habe ich allmählich gelernt, wie man es mit den Nussbäumen in Wald machen sollte. Es gibt vier Teilflächen. Diese werden separat beschrieben: 1. Teilfläche Wyssparzelle (aus Zeitmangel wurde die Wyssparzelle übersprungen). Auf dieser Parzelle ca. ½ ha, zwischen 1995 und 2015 insgesamt ca. 100 Bäume gesetzt. 1995 bis 2000: 30 J. regia gepflanzt, anfänglich gut angewachsen später sind viele verhockt. Heute 2 bis 10 m hoch, insgesamt unbefriedigend. 2010: 5 Obfelden-Sämlinge gepflanzt, zufriedenstellender Wuchs, die grössten jetzt 4 m hoch, dünn- und waagrechtastig, geradschäftig. 2016 und vor allem 2017 Spätfrostschäden. Heute insgesamt zufriedenstellend. 2009: 25 MJ209 Hybriden gepflanzt. jetzt 3 bis 5 m hoch. Insgesamt unbe- friedigend wie regia (mögliche Erklärung ist der stellenweise zu tiefe pH des Bodens, ich werde diesen an Stellen mit schlechtem Wuchs überpüfen). 2010: einige NG23 und NG38, gepflanzt. Heute maximal 6 m hoch, gutes Resultat. 2008: 10 Butternüsse gepflanzt. Heute bis 10 m hoch und BHD bis 12 cm. Insgesamt beste Sorte auf der Parzelle. Mögliche Erklärung für den guten Wuchs von Butternuss auf der Parzelle mit mässig gutem Boden (nur 20 bis 30 cm Humus, darunter ziemlich dichte, Wasser undurchlässige Schicht). Die Butternuss und Verwandte haben oberflächlichere Flachwurzeln als Walnuss und Hybriden und ertragen vielleicht nicht tiefgründigen Boden besser als die Pfahlwurzler, J. regia und Hybriden. 2. Teilfläche Pauchardparzelle, ¼ ha, 40 Bäume 1990; ca 25 Walnussbäume gepflanzt. Heute sehr unterschiedliche Qualität, das beste Exemplar unmittelbar neben dem Bächli 15 m hoch 20 cm BHD 6 m astfreier Stamm. Mehrere Walnussbäume sind auch hier verhockt. Kleine Nussernten seit einigen Jahren, davon 3 Walnussbäume, die jung viel zu hoch geastet wurden, ergibt filigrane, nicht stabile Stämme, und zu kleine Kronen, ungenügendes Dickenwachstum. Regel der 50 % Beastung des oberen Teiles des Baumes nicht beachtet! Einig Exemplare zur Demo stehen lassen. 3 Walnussbäume auf 3 bis 5 m Höhe auf den Stock gesetzt. Resultate eher unbefriedigend, zur Demo stehen gelassen 2009 ein MJ 2019 Hybrid, neben Bächli gepflanzt, heute nach 11 Jahren ist er 10 m hoch, geradstämmig, dünnastig, Vorzeigeexemplar 2010 6 Exemplare NG23 und NG38 Hybriden gepflanzt. Heute bis 5 m hoch, gutes Resultat, ohne Spätfrostschäden in den Jahren 2016 und 2017 2014 Ein Obfelden-Abkömmling, neben Bächli gepflanzt, einziges Exemplar von den 7 vorhandenen Obfelden-abkömmlingen ohne Spätfrostschäden in den Jahren 2016 und 2017 Bildmitte 28-jähriger Walnusssämling, rechts 8-jähriger NG-Hybride. 19.10.2018 3. Teilfläche Parzellen Nr. 543 und 545 ca. 1300 m2 2010 Nach Kahlschlag von Fichten und Tannen auf einer Fläche von 1300 m2 im März 2011 ca. 30 Nussbäume zur Holzproduktion gepflanzt, im 6 x 6 m Verband und 6 Linien, und zwar: 10 NG 23 10 NG38 5 MJ209 4 Cinerea 2 Obfelden-Abkömmlinge 2 andere Hybriden 1 Schwarznuss Jeder Baum ist etikettiert Situation 2018: Die Hälfte der 8-jährigen Bäume sind nach meinem Ermessen gut bis sehr gut. Die 15 guten Exemplare sind längst genug für die Fläche. Den besten Eindruck machen die Hybriden NG 23 und NG38, bis 7 m hoch. Mehrere Exemplare mit Schnüren in die Senkrechte gezogen. Ich meine, dass ein senkrechter Stamm eine wichtige Voraussetzung ist für gutes Längen- und Dickenwachstum und stabile Bäume. Die optimale Lösung, schiefe junge Bäume in die Senkrechte zu bringen, habe ich noch nicht gefunden. Schnüre haben den Nachteil, dass sie sehr schnell einwachsen. Versuche mit Fahrradschläuchen zeigen bessere Ergebnisse. Ich weiss aber noch nicht, wie sich die Schläuche nach mehreren Jahren bewähren. Eine regelmässige Beobachtung und allfällige Korrektur der Bäume sind so oder so unabdingbar. Das stufenweise Entfernen oder Einkürzen der Begleitvegetation ob Tanne, Fichte, Hasel, Esche, Weide, Buche oder Eiche und das Ästen der Nussbäume bleibt in den nächsten Jahren eine Daueraufgabe. Die überzähligen Nussbäume werden wie Begleitvegetation behandelt. 4. Teilfläche auf Parzelle 541 ca. ¾ ha Dezember 2009: Räumung der Fläche, nachdem im Oktober Schneefall die jungen noch belaubten Buchen irreversibel auf den Boden gelegt hatte. Guter Boden, leichte Neigung. Im März 2010 Pflanzung von 10 NG23 und 10 NG38 Hybriden, 5 MJ209 in Abständen von 6 bis 8 m sowie ca. 300 Butternüsse gesät. Im Herbst 2018 kann ich die Situation wie folgt zusammenfassen: Die Hybriden haben sich ausgezeichnet entwickelt. Sie sind bis zu 12 m hoch mit BHD bis zu 15 cm. Praktisch alles Vorzeigeexemplare. Bis jetzt nur moderate Ästung Die im Herbst 2009 gesäten Butternüsse und Verwandte haben praktisch alle gekeimt. Ich nehme an, dass die harten Schalen den Mäusen zu dick waren. Im Sommer 2010 die Hälfte ausgedünnt. In den folgenden Jahren weiter ausgedünnt. Die grössten sind heute ca. 10 m hoch und haben BHD um 10 cm. Die Wuchsleistung dieser Art ist auch auf dieser Parzelle beträchtlich. Mit der Zuordnung der Bäume zu einer bestimmten Art habe ich etwelche Mühe. Sind es J. cinerea, mandschurica, ailantifolia oder Kreuzungen davon? Sicher ist, dass alle rote Staubäste haben und mehr oder weniger büschel- oder trauben- förmige Fruchtstände. Einige Schwarznüsse und wenige halten im Wachstum mit den Hybriden mit. Es gibt auf der Parzelle auch einige veredelte Walnüsse, einer auf 3 m Höhe veredelt. Vielleicht wird es der eine oder andere veredelte Baum schaffen, mit den Holzbäumen mitzuhalten, sofern sie entsprechend freigestellt werden. Die Nussernte besorgen die Wildtiere perfekt. An eine Nussernte ist kaum zu denken. 8-jähriger NG23 Hybridnussbaum, sehr schönes Exemplar 19.10.2018 Butternussbaum, gesät vor 8 Jahren. 19.10.2018 Die Frage von Andreas Ehring zum Vergleich der verschiedenen Hybriden und Walnüsse habe ich wie folgt beantwortet: Rangliste bezüglich Höhenwachstum: NG38, NG23, einzelne MJ209. Sehr stark wachsen die Sämlinge der Butternuss und Verwandte. Obfelden-Abkömmlinge und RENI wachsen gut. Es gibt davon aber für gute Vergleiche zu wenig Exemplare. Auf sehr wüchsigen Boden gibt NG38 die grössten Jahres- zuwachsrate bis zu 2 m. Das hat den Nachteil, dass die Triebe nach mehreren Windrichtungen krumm werden. Ich habe deshalb auf sehr wüchsigen Boden lieber NG23. Letztere machen geradere und etwas dickere Triebe. Das sind Vergleiche auf hohem Niveau! Unter den MJ209 Hybriden gibt es einige sehr schöne Exemplare. Von den vielen Walnusssämlingen gibt es einige wenige, die auch mit den Hybriden mithalten. Ich kann auch die Feststellung bestätigen, dass NG23-und NG38 Pflanzen unter gleichen Bedingungen sehr homogen sind und sich die Bäume sehr stark gleichen. Es gibt kaum Ausreisser. Das Pflanzmaterial muss genetisch sehr stark verwandt sein. Anders sieht es bei den MJ209-Hybriden aus. Dort ist das Wachstum viel unhomogener. Rangliste in Bezug auf Frühaustrieb und die Frostanfälligkeit unter meinen Bedingungen auf 600 müM: sehr früher Austrieb, starke Frostanfälligkeit: Butternuss und Verwandte, Obfeldenabkömmlinge, die meisten Walnusssämlinge aus der Gegend, viele Schwarznüsse Eher früher Austrieb, frostanfällig: RENI, die meisten Schwarznüsse Eher später Austrieb, kaum frostanfällig:NG23, NG38, MJ209 Sehr später Austrieb, (Ende Mai, anfangs Juni): Johannis-Walnussbäume, 5 Sorten). Die Reaktionen auf Frostschäden sind je nach Art, Sorte und Individuum verschieden. 11. Waldnussbaumparzelle in Grolley Gastgeber: Hans-Sepp Walker, rte de Fribourg 90, 1746 Prez-vers-Noréaz, www.walwal.ch Beschrieb der Fläche 1,1 ha. Ehemalige, private Baumschule, 1980 aufgegeben und wachsen lassen, was vorhanden war. 2014 Kauf der Parzelle, 2015 Kahlschlag. Total 350 m3 Holz geschlagen, Fichten, Pappeln, Buchen und 20 grosse Rand-Eichen (60 m3 Eichenholz). Alles ab Stock verkauft für total 3100.- Fr.- Die Parzelle ist 200 m lang und 50 m breit, auf der Westseite Ackerland, auf der Ostseite kleiner Bach. Ca. 15 % Neigung. Boden grösstenteils Ackerbodenqualität. 600 müM. 800 mm Niederschlag. Bepflanzung: 2015 und 2016 insgesamt 200 Nussbäume gepflanzt, alles von Hand. Wildschutz mit drei oder vier Pfählen umwickelt mit Flatterbändern oder Schnüren Konzept: Pflanzung in 5 Linien und zwar in der Längsachse, 8 bis 10 m zwischen den Linien 1. Die erste Linie auf der Westseite entlang des Ackers: 50 selbst veredelte Nussbäume, ca. 30 Sorten. Mittlerer Pflanzabstand 5 m. Es soll ein sanft ansteigender Waldsaum entstehen. Ziel sind 2,5 bis 4 m lange astfreie Erdstämme, wenn möglich. Die meisten Sorten sind frühe Sorten und erlitten 2016 und vor allem 2017 entsprechend starke Spätfrostschäden, 2018 haben sich die meisten einigermassen erholt. In den nächsten Jahren soll versucht werden, kurze Stämme zu formen. 2018 erste Nüsse von 8 Sorten. Nussernten sind nicht eigentlich vorgesehen. Die besten Sorten werden als Reiserbäume dienen. Die für die Gegend ungeeigneten Sorten werden wieder ausgemerzt, allenfalls ersetzt werden. 2. Auf den Linien zwei, drei und vier sind Nussbäume zur Holzproduktion mit mittlerem Abstand von 8 m gepflanzt. Total 120 Pflanzen, zur Hauptsache NG23 und NG38 und wenige MJ209 Hybriden, einjährig gepflanzt 60 bis 80 cm hoch. Ziel sind ca. sechzig 5 bis 8 m lange astfreie Erdstämme in den drei Linien. Die Bäume sind mit eingravierten Al-etiketten individuell beschriftet. Die grössten vor allen NG38 sind nach drei Vegetationsperioden also Herbst 2018 bis 5 m hoch. So starker Höhenzuwachs hat den Nachteil, dass die Ruten z. T krumm und unstabil sind und gestützt werden müssen. Die Spätfröste von Ende April 2016 und 2017 haben bei den Hybridnussbäumen von wenigen Ausnahmen abgesehen keine Schäden verursacht im Gegensatz zu den veredelten frühen Sorten. Begleitvegetation sind die sehr stark wachsenden Pappel-Wurzelausschläge und Weiden aus Naturverjüngung. Diese werden nur in dem Masse entfernt, als sie zu hoch werden und das Wachstum der Nussbäume stören und hemmen. Auch der z. T. sehr starke Brombeerenwuchs wird nur entfernt, wenn der Zugang zu den Bäumen notwendig ist. 3. Die fünfte Linie ist ein Kunterbunt von botanischen Spezialitäten: Butternüsse, japanische Walnuss, Schwarznüsse (gesät), Hickory, spät austreibende Walnussbäume, Kastanien, Apfelbäume, wenige spezielle Veredlung usw. noch nicht fertig bepflanzt. Anton Schott begutachtet einen 3-jährigen RENI-Hybridnussbaum. 19.10.2018 Eine Diskussion von definierten Themen in der Gruppe fand nicht statt. Stattdessen bildeten sich kleine Gruppen, die locker und gemütlich durch die Parzelle promenierten, sich vieles zu erzählen wussten und das eine oder andere anguckten. Das wunderbare Herbstwetter bildete einen ausgezeichneten Rahmen dazu. Biegen eines starken Seitenastes Anton Schott demonstrierte das Biegen des einzigen starken, ca. 1,5 m langen, einjährigen Astes, der in einem Winkel von ca.45° wächst und der den Haupttrieb des NG-Hybridbaumes konkurrenziert. Die waagrechte Position soll das Wachstum des Astes bremsen. Mit dem Wegschneiden des Astes würde man dem Baum viel Blattmasse wegnehmen. Das Verfahren ist auf S. 82 im Buch „Nussbäume zur Holzproduktion“ von Jacques Becquey beschrieben. Das Buch ist unter www.waldveredelung.at unter der Bezeichnung „Die Nuss“ käuflich zu erwerben. Zum Abschluss der Besichtigung dankte der Präsident Hans Jochen Meyer Ravenstein mit seinen gewohnt markanten Worten Hans-Sepp Walker für die Organisation der viertägigen Exkursion in der Westschweiz. 12. Agroforsterie in Lully Gastgeber: M. Julien Duc, 1470 Lully FR Auf 16 ha bestem Ackerland wurde das Agroforesterie Pilotprojekt eingerichtet. Daran beteiligt ist eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer Landwirte. Ziele des Projektes sind Biodiversität, Wechsel- wirkung zwischen den Nussbaumlinien mit Grassteifen, Sträuchern und Holzstapeln (Heckenwirkung) einerseits und der Ackerfläche andererseits. Verhinderung der Bodenerosion Verlangsamung der Austrocknung. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bund durch Direktzahlungen. Im Januar 2012 wurden auf der Fläche 480 Nussbäume der Sorte Franquette in Abständen von 8 x 45 m gepflanzt. Gekauft wurden die Pflanzen bei Pepinox im Grenoblegebiet. In den ersten zwei Jahren waren die Wiesenstreifen entlang der Nussbaumlinien 2 m breit, seit Ende 2013 6 m breit. Kosten für Pflanzen, Transport und Pflanzung: 38 € pro Baum. Direktzahlung ab 2012: 33.- € pro Jahr. Bis 2016 jedes Jahr Astschnitt zur Erziehung der Bäume, ab 2016 nach Bedarf. Ernte: 2018 0 bis 15 Nüsse / Baum. In 2 bis 3 Jahren wird mit der ersten Ernte gerechnet. Gemeinsame regionale Vermarktung ist vorgesehen, Verkauf von ganzen, trockenen Nüssen und von Öl, hergestellt in der Ölmühle der Region. Julien Duc erklärt seine Plantage. 19.10.2018 13. Walnussbäume im Forstbetrieb Leberberg, 2545 Selzach SO Gastgeber: Förster Thomas Studer Känelmoosstrasse 29, 2545 Selzach SO Zur Begrüssung und Einleitung präsentiert Thomas Studer den Forstbetrieb und die aktuellen Probleme. Er erinnert an die Geschichte des Walnussanbaus in Selzach. Anschliessend werden die verschiedenen Nussbaumbilder in Natura besichtigt. Wie üblich gab es viele Fragen. Das meiste seiner Ausführungen ist in den zwei Dokumenten nachzulesen: Anhang Prosilva Exkursionsführer Anhang Flury 1972 und Moll 1991 Von 1930 bis 1977 hat Gottfried Flury, Gemeindeförster und Nussbaumpionier von Selzach SO, Walnussbäume im Wald von Selzach gepflanzt. Thomas Studer berichtet, dass seit einigen Jahren keine neuen Nussbäume mehr gepflanzt werden. Die bestehenden Nussbäume, verteilt auf vier Parzellen, werden aber beobachtet und gepflegt. Die aufkommende Naturverjüngung wird systematisch gefördert. In vorliegenden Bericht gehe ich nur näher auf das Thema Hallimaschbefall der Walnussbäume in Selzach ein. Im Kompendium vom April 1996 mit dem Titel « Nussbäume, eine Zusammenstellung zum 5-jährigen Bestehen der IG Nuss» berichtet Wolfgang Hertel in seinem Beitrag « Nussexkursion ins Rheintal und in die Schweiz, ein Erlebnisbericht» von der Exkursion von 1991 nach Selzach. Im Bericht von W. Hertel von 1991 ist von einem nahezu 100%igen Befall mit Hallimasch der Nussbäume der besuchten Parzelle die Rede, die zwischen 1930 und 1977 im Wald von Selzach gepflanzt worden waren. Uwe Linert, der sich bei seiner Promotion als Biologe insbesondere mit Hallimasch an Nussbäumen befasste, gab den Exkursionsteil- nehmern 1991 interessante Erläuterungen ab. Der starke Hallimaschbefall beunruhigte die Befürworter der Nussbäume im Wald beträchtlich. Bei der diesjährigen Exkursion berichtet Thomas Studer über die aktuelle Situation. Es gibt eine neue Arbeit von 2016 über den aktuellen Befall mit Hallimasch an den Nussbäumen im Wald von Selzach. Danach ist gut die Hälfte der Nussbäume befallen. Gesamthaft gesehen hat sich der Befall mit Hallimasch an den Nussbäumen seit 1991 prozentual etwas verringert. Dies ist doch eher eine erfreuliche Nachricht und gibt etwas Hoffnung. Es gibt offenbar 5 Hallimaschformen, von denen drei schädlich sind. Hallimaschschäden sind nur an der Stammbasis als schwarze, rindenlose Flecken bis etwa ½ m über dem Boden sichtbar und gehen in der Regel nicht in die Höhe. In mehreren Fällen überwuchern die Wunden und die Bäume überleben. Befallenes Holz kann verkauft werden. Der erste ½ m, der befallen ist, wird weggeschnitten. Die Verkernung der Bäume ist unterschiedlich. Feuchter Boden fördert den Hallimasch, was bekannt ist. Fichte eignet sich als Begleitvegetation, muss aber entfernt werden, bevor sie in die Krone der Nussbäume wächst. Die Nussbäume werden auf die Höhe geastet, die man mit der Leiter erreichen kann also bis etwa 6m. Auch krumme Stücke sind verkäuflich. Die Experten wollen es genau wissen. 20.10.2018 Zum Abschied des Exkursionspunktes Selzach dankt der Präsident der IG Nuss, Hans-Jochen Meyer Ravenstein, Thomas Studer für die ausgezeichnete Führung in Selzach und übergibt ihm den nussbäumigen IG-Nuss-Schuhlöffel. Er fasst das Wichtigste in drei Punkten zusammen: Wir können etwas Durchatmen Nussbäume haben auch mit Hallimasch Überlebenschance Nussbaum wird eine interessante Baumart im Wald insbesondere auch durch Naturverjüngung. Dank und Verabschiedung 20.10.2018 Mit dem Besuch in Selzach ist die Exkursion 2018 der IG Nuss in der Westschweiz würdig und zu aller Zufriedenheit abgeschlossen. Nach herzlicher Verabschiedung treten die deutschen Kollegen mit dem Bus die Heimreise an. Ich danke allen Gastgebern, allen andern, die zum guten Gelingen der Exkursion beigetragen haben. Es bleiben uns wunderschöne Erinnerungen. Prez-vers-Noréaz, 15. Januar 2019 Hans-Sepp Walker
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